Montag, 7. Juni 2010

kasachstan, teil 2, 20.05. - 07.06.2010

eigentlich wollten wir an dieser stelle über kirgistan berichten. nun ja, visa jest. doch nach unzähligen gesprächen mit kasachstanern über die aktuelle lage im nachbarland sowie lokalen nachrichten, die nach wie vor über strassensperren, agressive plünderungen von märkten und überfällen in gewissen landesteilen berichteten, haben wir beschlossen, uns nicht einem solchen risiko auszusetzen. die kasachstaner überzeugten uns zudem mit dem argument, die landschaft um almaty sei genau gleich wie diejenige in kirgistan. die lage stabilisiert sich anscheinend zunehmends und wir überlegten, evtl. zu fuss über die berge einzureisen. nach sorgfältigem abwägen fiel der entscheid: wir lassen das kirgistan-visa sausen und bleiben länger in kasachstan (gewählte variante: konzentration der kräfte). als dann, kirgistan, ein ander mal… genug zeit bleibt uns also für kasachstan. so sind wir gemütlich vom naturreservat aksu-zhabagly gegen almaty unterwegs und besuchen alte felszeichnungen aus der bronzezeit in tamagly. aus diesen ca. 4000 zeichnungen erfährt man viel über den alltag und die vorstellungswelt der dazumals hier lebenden völker - jagdszenen, gottheiten oder schamanen mit sonnenköpfen, rituelle handlungen, tänze, männlein und weiblein.
angekommen in almaty, campieren wir mitten in der stadt und treffen das erste mal auf gleichgesinnte: drei österreicher, welche in etwa gleich lang unterwegs wie wir und ebenfalls auf dem weg in die mongolei sind. während einem nachtessen werden erfahrungen ausgetauscht. an den folgenden zwei tagen, nützen wir alle vorteile einer grosstadt, inkl. ausgiebigen bad im badehaus arasan, ein monumentales sowjetisches gesundheitsbauwerk mit vielen verschiedenen saunen. adrian schwärmt noch heut von den grunzenden, sich gegenseitig mit birkenblättern abklopfenden nackten, nur mit dem typischen saunahut bekleideten badegästen (männer und frauen strikte getrennt – ausser im VIP bereich…). selbstverständlich machen wir auch sightseeing. hier almaty von oben.

weiter geht’s durch die schöne umgebung der stadt zum jesik-see und ins turgen-tal.


das schlechte wetter führt uns zurück in die stadt. wir besuchen olga, welche wir im naturreservat kennen lernten und werden kulinarisch und mit „elektrischer“ waschmaschine (die erste während unserem trip) verwöhnt. „спасибо большое olga i roman“

weiter schleppt uns dima, den wir am jesik-see getroffen haben, (nachts zu dritt auf seiner vespa, ohne rücklicht, ohne helme, durch halb almaty, freundlich winkend vorbei an unseren freunden von der polizei) mit an eine taufparty und wir sitzen mitten im „schaschlikhimmel“. für uns eher ein schaschlikschlamassel, denn hier versteht man manchmal mehr unter fleisch als wir. wodka und wein gibt es genug und so bleiben wir am nächsten tag bei igor und lena, erholen uns im garten und erhalten von igor einen pel’meni-kochkurs.


ein weiteres mal verlassen wir almaty. wir wollen ca. 400 km in den norden fahren zum alakölsee, dessen wasser bei div. hauterkrankungen nachhaltiger helfen soll als das des toten meeres. die astronauten aus baikonur sollen dort ebenfalls urlaub machen. doch meistens kommt es anders als man denkt: nach 11'653 pannenfreien kilometern erwischt es uns (resp. den mitsu) - der rückwertsgang hat sich den lokalen gepflogenheiten angepasst: manchmal geht er und manchmal eben nicht. dazu kommt ein plattfuss. naja, der plattfuss – kein problem für uns, doch der „teilzeitfunktionierende“ rückwärtsgang überforderte sogar die landmechs und wir kehren ein drittes mal in die stadt zu igor (leidenschaftlicher biker und 4x4-er) zurück. auf dem retourweg nach almaty (obwohl das thema „polizeikontrollen“ grundsätzlich ausgereizt ist, sei an dieser stelle der guten ordnung halber darauf hinzuweisen, dass wir täglich 3-4 mal kontrolliert, geradart und „gewasweissichnichtnochalles“ werden) machen wir einen abstecher zum kurort kapal arasan, eine heilquelle wo schon 900 v.chr. gebadet wurde und wo heute ein sanatorium steht. wir denken, wenn schon kein heilwasser am see, dann doch wenigstens hier. doch an der rezeption wissen sie nix von einem bad, noch gönnen sie uns eine dusche und wir kehren „stinkend“ zum bus zurück und kochen gemütlich. als es dunkel wurde kommt berkan zu uns. seine frau arbeitet im sanatorium und organisierte, dass wir gegen 22 uhr abends ins hotelgelände einschleichen konnten um die angestelltendusche im heizungskeller zu benützen. war wohl eher kein heilwasser, doch frisch gewaschen schläfts sich noch besser im bus. wieder in almaty, besuchen wir voloda, der beste mechaniker in town und freund von igor. kurze kontrolle und den positiven befund: soweit scheint äusserlich alles ok - retourgang geht seit der abfahrt im sanatorium auch irgendwie wieder - den nagel im plattfuss entfernt, loch gestopft - auch wieder gut. doch kurz bevor wir bei igor zu hause ankommen, ein seltsames lautes geräusch beim mitsu – wir warten erneut auf den mechaniker – die einten immer noch frohen mutes…

tja, ein paar stunden später ist der defekt lokalisiert – „malinko problema“, es muss nur ein kleines teil ersetzt werden.

shity – innendrin ist alles kaputt, ein „klassischer getriebeschaden“. spuren eines harten buslebens während 219'537 km…wir fühlen uns von voloda und nikkita gut beraten und sind unendlich froh, dass dies an diesem ort geschehen ist und nicht irgendwo anders – je nach dem wäre die reise zumindest für den mitsu zu ende gewesen. doch in diesem riesigen autoland sucht man die umfangreiche „kasachstanische fundgrubenzeitung“ nach passenden occasionsteilen ab, ruft die verkäufer an, fährt an autobazare und innerhalb eines halben tages wird ein passendes getriebe eines mitsubishi delica (unfallwagen) aufgetrieben. voloda und nikkita erledigen den einbau. wir campieren während dieser drei tage im werkstatthof und werden von igor mit waschmaschine und exkursionen in der stadt unterhalten. ui, sind wir froh - können nicht in worte fassen, wie dankbar wir unseren freunden igor, lena, dima, voloda und nikkita sind. darum спасибо большое, большое, большое und jetzt ab zum fischen…